Das Pflegeleitbild

Ausgangspunkt gemeinsamen Handelns

Fach: Pflegewissenschaft

Dozentin: Prof. Dr. Ingeborg Löser-Priester

vorgelegt von: Friedbert Mager

Blumenstraße 14

76327 Pfinztal

 

"In der professionellen Pflegepraxis sind Kreativität und Phantasie gefordert. Seine Wurzeln hat das praktische Handeln im theoretischen Wissen, im kritischen Urteilsvermögen und in der Empathie. Patentrezepte nach denen man handeln kann, gibt es nicht. Auch die vielbemühten Faustregeln sind fragwürdig, da sie vor allem auf dem Erinnerungsvermögen und einer unkritischen Handlungsbereitschaft beruhen.

Es gibt bekanntlich viele Möglichkeiten praktischen Handelns, doch jene daraus auszuwählen, die den Bedürfnissen des Individuums, der Familie oder der Gesellschaft entsprechen, hängt entscheidend vom Denkvermögen der Pflegekraft ab.

... Die manuelle Geschicklichkeit lässt sich recht schnell erlernen. Ein Handeln in der Praxis, das sicher und solide ist, hängt jedoch davon ab, ob der Gegenstand der Pflege ausreichend verstanden ist."  

(MARTHA ROGERS, in THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER PFLEGE -1995, S 152)


 

Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort 5

1      Sinn und Funktion von Leitbildern.. 6

1.1       Der Leitbildbegriff 6

1.2       Leitbildfunktionen. 7

1.3       Leitmotive in Leitbildern. 8

1.4       Inhalt und Form schriftlicher Leitbilder 9

2      Pflegeleitbilder. 12

2.1       Historische Entwicklung. 12

2.2       Leitbilder als Folge gesetzlicher Vorgaben. 13

2.3       Das Pflegeleitbild soll Sinn stiften. 15

3      Inhalte von Pflegeleitbildern.. 16

3.1       Empfehlungen zum Inhalt von Pflegeleitbildern. 16

3.2       Inhaltsanalyse unterschiedlicher Pflegeleitbilder 17

3.2.1       Menschenbild. 18

3.2.1.1        Menschenwürde und Einzigartigkeit der Person. 18

3.2.1.2        Individualität 18

3.2.1.3        Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. 18

3.2.2       Verständnis von Pflege. 19

3.2.2.1        Am individuellen Bedarf orientierte Aufgabe. 19

3.2.2.2        Mitmenschlichkeit 19

3.2.2.3        Kompetente Hilfe zur Selbsthilfe. 19

3.2.2.4        Verantwortung. 19

3.2.3       Durchführung der Pflege. 20

3.2.3.1        Systematische, theoriegeleitete Pflege. 20

3.2.4       Kooperation mit anderen Berufsgruppen. 21

3.2.4.1        Partner in einem Team.. 21

3.2.4.2        Definierter Verantwortungsraum der Pflege. 21

3.2.5       Qualitätsmanagement 21

3.2.5.1        Pflegeprozess sichert Pflegequalität 21

3.2.5.2        Pflegstandards. 22

3.2.6       Aussagen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung. 22

3.2.6.1        Kompetenz durch berufliche Weiterbildung. 22

3.2.6.2        Verantwortung für die Ausbildung. 22

3.2.7       Zusammenarbeit innerhalb der Pflege. 23

3.2.8       Führungsverständnis. 23

3.2.9       Gesundheitsförderung. 23

3.2.9.1        Beratung und Anleitung. 24

3.2.9.2        Verantwortung für die Umwelt 24

3.2.10     Wirtschaftlichkeit 24

3.3       Fazit 24

4      Zur Umsetzung von Leitbildern.. 26

4.1       Voraussetzungen zur erfolgreichen Umsetzung. 26

4.1.1       Bewusstseinsbildung bei der Erarbeitung. 26

4.1.2       Führungskräfte als Unterstützer und Vorbild. 26

4.1.3       Handlungsleitlinien und ergänzende Konzepte. 27

5      Schlussbemerkungen.. 28

Literaturliste. 29

Verwendete Leitbilder: 30

Anhang Pflegeleitbilder. 31

Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr 31

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder - Trier 32

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. 38

Universitätsklinikum Freiburg. 40

Robert- Bosch-Krankenhaus Stuttgart 41

Klinikum Dortmund gGmbH.. 42

 


 

Vorwort

Seit etwa Mitte der Neunzigerjahre schießen Pflegeleitbilder wie Pilze aus dem Boden. Pflegeleitbilder sind en vogue. Manche Einrichtung ist gerade noch rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen. Was hat zu dieser Entwicklung geführt?

Durch die neuere Entwicklung im Gesundheitswesen kommt es zu einem Auseinandertriften von Einsichten und Wertvorstellungen auch innerhalb der Pflege. Die Zunahme von theoretischen und praktischem Wissen bei einem Teil der Pflegenden einerseits und andererseits die Tatsache, dass in einer Einrichtung oder einem Pflegeteam unterschiedlich geprägte Pflegegenerationen anzutreffen sind, bedingt ein individuelles Pflegeverständnis bei der einzelnen Pflegekraft. Weil eben Pflegende in ähnlichen Situationen nicht von den gleichen Annahmen, Erwartungen und Einstellungen ausgehen, urteilen und verhalten sie sich unterschiedlich. Dies kann zu Verunsicherung bei den Empfängern der Pflegeleistung und zu Konflikten innerhalb der Berufsgruppe und mit den Kooperationspartnern führen.

Dieser Entwicklung soll mit der Erstellung eines Leitbilds entgegen gewirkt werden. Pflegeleitbilder können dazu beitragen, eine gemeinsame Haltung und ein einheitliches Verhalten zu entwickeln. Sie beschreiben die Werte, Einstellungen und Ziele die der Pflegedienst einer Einrichtung hat. Leitbilder sind werbewirksam. Innerhalb der Einrichtung und für die Öffentlichkeit wird deutlich, wie die Bedürfnisse der Kunden gemeinsam mit den anderen beteiligten Berufsgruppen erfüllt werden sollen. Das Leitbild wird zur Messlatte nach der die Einrichtung beurteilt werden kann.

 

In dieser Arbeit  wird die grundsätzliche Bedeutung von Leitbildern und die Entwicklung von speziellen Leitbildern für den Pflegedienst dargestellt. Den  Hauptteil bildet die inhaltliche Analyse ausgewählter Pflegeleitbilder. Abschließend wird ein kurzer Überblick über die Faktoren und notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung eines Pflegeleitbilds in die Praxis gegeben.


 

1         1         Sinn und Funktion von Leitbildern

 

1.1      1.1      Der Leitbildbegriff

 

Das Soziologische Wörterbuch definiert Leitbild als ein "... für einzelne Personen, für Gruppen, Schichten oder ganze Gesellschaften als erstrebenswert geltende und im Handeln und bei Entscheidungen tatsächliche Orientierung und Absichten leitende Vorstellung. Leitbilder haben im Vergleich zu Utopien und Idealen einen konkreten und praktisch zumindest partiell erreichbaren Gegenwartsbezug. Zu Leitbildern können Ideen, Habitus, Lebensstil und -niveau bestimmter idealisierter Personen und Gruppen oder allgemein gesellschaftlicher Prinzipien (....) werden. Leitbilder bedeuten für die betreffenden Personen Entlastung von Entscheidungsdruck und eindeutige Lebensperspektive, engen jedoch die soziale Optik ein und verführen zu gesellschaftlicher Ignoranz, Intoleranz und sozialem Vorurteil" (Hartfiel 1976: 432).

Aus individualpsychologischer Sicht hat jeder Mensch eine konkretes Vorbild von welchem er seine Wahrnehmung leiten lässt, an dem er sein Handeln und Erleben ausrichtet und das ihm als Maßstab für die Selbst-bewertung dient. Der Psychologe Alfred Adler hat dafür den Begriff des Leitbilds geprägt. Nach Adlers Ansicht soll es daher Ziel der Psycho-therapie sein, die Erkenntnis zu vermitteln, dass Glück nie auf Kosten anderer, sondern nur gemeinsam mit anderen zu erreichen ist (Vierecke 1998).

Es existieren also in Unternehmen grundsätzlich immer Leitbilder, nach denen Einzelne oder Gruppen ihr Handeln ausrichten. Gibt es keinen allgemeinen Konsens oder Kodex, der das Handeln leitet, kommt es zu miteinander konkurrierenden Sichtweisen und zu individuellen Einzelentscheidungen. Dies kann bei Kunden und Kooperationspartnern zu Verunsicherung und bei den Mitarbeitern zu Frustration und mangelnder Identifikation mit dem Unternehmen führen.

Leitbilder werden für unterschiedliche gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und soziale Felder entwickelt. Sinn und Zweck von Leitbildern ist es einen konsensuellen Rahmen für das gemeinsame, zielorientierte Handeln innerhalb einer bestimmten sozialen Gruppe oder einer Organisation zu geben.

 

1.2      1.2      Leitbildfunktionen

 

Nach Ebert sind Unternehmen und Institutionen gegenwärtig durch Tendenzen wie Individualisierung, Unternehmensfusionen und Globalisierung starken Zentrifugalkräften ausgesetzt. Schlagkraft am Markt, Innovationen und Organisationsentwicklung erfordern jedoch den Dialog unter allen Beteiligten. Schriftlich formulierte Leitbilder spielen hier eine wichtige Rolle, als Belege für erreichte Übereinstimmung und als Orientierung für zielorientiertes Verhalten und zweckgerechte Kommunikation einer Organisation. Leitbilder sollen den zentrifugalen Kräften entgegenwirken.

Ebert vertritt die Meinung, dass mit steigender Komplexität und Dynamik von Umwelt und Organisationen vor allem die Kommunikationsaufgabe zu einem strategischen Erfolgsfaktor heran wächst, um die Sinnhaftigkeit und Ganzheitlichkeit von Missionen, Programmen und Aktionen einer Organisation zu verdeutlichen. Leitbilder und funktionsverwandte Texte wie Visionen, Philosophien, Grundordnungen (Verfassungen) sind ein Mittel, um Komplexität zu reduzieren. Sie sind der unternehmenspolitischen Rahmenplanung zuzuordnen und beantworten in der Regel drei Fragen: „Wer sind wir?“ (Frage nach der Identität), „Was wollen wir erreichen?“ (Frage nach den Zielen) und „Wie verhalten wir uns?“ (Frage nach den Verhaltensnormen) (Ebert 2001).

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht werden Leitbildern unterschiedliche Funktionen zugeschrieben (Ebert 2001; Pflegeconsult 2002):

Imagefunktion

In der Außendarstellung haben Leitbilder Imagefunktion, die Einrichtung stellt sich, ihre Leistungen und ihre gesellschaftliche Legitimation dar.

Orientierungs- und Stabilisierungsfunktion

Wichtiger noch als die Darstellung nach außen ist allerdings die Innendarstellung. Hier hat das Leitbild Orientierungs- und Stabilisierungsfunktion. Das Leitbild ist ein Beitrag zur Sinnfindung, es informiert darüber, was das Wesen der Einrichtung ist. Leitbilder sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsorientierten Organisations- und Personalentwicklung.

Transformationsfunktion

Im Hinblick auf die Unternehmenskultur haben Leitbilder eine Transfor-mationsfunktion. Sie tragen dazu bei, dass sich bestimmte Einstellungen und Verhaltensnormen nachhaltig entwickeln.

Motivations- und Kohäsionsfunktion

Identifizieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Werten und Zielen des Leitbilds, hat dies eine hohe Motivations- und Kohäsionsfunktion und ist ein wesentlicher Beitrag zur Verhaltensentwicklung.

Strategische Leitfunktion

Für strategische Managemententscheidungen sind Leitbilder Kompass und Richtschnur, sie dienen damit auf der operativen Ebene auch dem wirtschaftlichen Erfolg.

 

1.3      1.3      Leitmotive in Leitbildern

 

Leitbilder können von verschiedenen Leitmotiven dominiert sein. Für ein freies Wirtschaftsunternehmen steht der wirtschaftliche Erfolg, als Garant der Existenz an erster Stelle. Einrichtungen des Gesundheitswesens haben neben dem Gebot der Wirtschaftlichkeit zusätzlich noch soziale und gesellschaftliche Ansprüche zu berücksichtigen. Meier unterscheidet für Leitbilder in Einrichtungen des Gesundheitswesens drei Grundrichtungen.

Utilitaristische Leitmotive stellen vor allem ökonomische Interessen in den Vordergrund. Ziel ist es durch Steigerung der Effizienz, Senkung der Kosten und die Erhöhung der Dienstleistungsqualität den Nutzen für das Unternehmen und seine Kunden zu maximieren. (Qualitätszirkel, Prozessoptimierung, Patienten- und Kundenorientierung).

Humanistische Leitmotive beschäftigen sich mit existenziellen Fragen menschlichen Seins wie der Auseinandersetzung mit Leben, Tod und Sterben, Bewältigung von Krankheit, Förderung von Gesundheit und grundsätzlichen ethischen Fragen. Hier können sowohl die Patienten als auch die Mitarbeiter von Interesse sein. (Patientenorientierung, Supervision, rückenschonende Arbeitsweisen, Ethikkommissionen).

Emanzipatorische Leitmotive setzen auf die Auseinandersetzung mit sich selbst in der aktuellen Situation. Durch geplante Provokation und durch Kommunikation soll bei Patienten und Mitarbeitern ein Lern- und Entwicklungsprozess initiiert werden. Es geht um Bewusstseinsschaffung und vorbildliches Verhalten. Die Verantwortung des Menschen für die natürlichen Ressourcen als ökologisches Leitmotiv  spielt hier genauso eine Rolle wie die gesamtgesellschaftliche Verantwortung im Sinne eines subjektfördernden Krankenhauses, welches die Identität jeden Einzelnen als Person, Mitarbeiter und Mitglied der Gesellschaft anerkennt und Möglichkeiten zur bewussten Anteilnahme am Gesamtprozess schafft. (Einbeziehen von Mitarbeitern und Selbsthilfegruppen in Entscheidungsprozesse). (Meier 1994: 8-21)

In den meisten Unternehmens- und Pflegeleitbilder kommen alle drei Grund-richtungen in unterschiedlicher Gewichtung vor. Wesentlich ist, dass es sich vor allem bei den humanistischen und emanzipatorischen Aussagen nicht nur um Worthülsen handelt, welche im Unternehmensalltag nicht erreicht werden können. Und ob durch entsprechende Erläuterungen erkennbar ist, wie der Anspruch umgesetzt werden soll.

1.4      1.4      Inhalt und Form schriftlicher Leitbilder

 

Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung in der Organisation ist, wie Leitbilder formuliert sind. Ebert spricht hier von Erfolgsbedingungen der Transferqualität. Leitbilder müssen so formuliert sein, "... dass sie geeignet sind, in konkreten Kommunikations- und Entscheidungsfunktionen ... Nutzen zu stiften" (Ebert 2001).

Voraussetzung hiefür sind unter anderem:

Verständlichkeit - Aussagen sollen klar, einfach und prägnant formuliert werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Sie müssen auf allen Ebenen der Organisation gleichermaßen verstanden werden.

Kontextualisierung und Situierung - die Verantwortlichen können durch eine entsprechende Einleitung, ein Schlusswort und durch eine deutliche Verantwortungsübernahme im Dialog mit den Mitarbeitern wirksam zum Transfer beitragen.

Aussagegehalt - Aussagen im Leitbild müssen allgemeingültig, vollständig und ausgewogen sein. Die Mitarbeiter werden sich dann für ein Leitbild interessieren, wenn ihre eigenen Ziele mit denen des Unternehmens übereinstimmen und sich aus dem Leitbild persönliche Ziele ableiten lassen.

Überzeugungs- und Motivationspotenzial - Leitbilder könne durchaus auch Aussagen zu bestehenden Spannungen und konzeptuellen Konflikten enthalten. Dies ist motivationsfördernder als unangemessene Schönfärberei.

Akzeptanz - Leitbilder sollten die Sprache der Adressaten sprechen und deren Werte berücksichtigen, sie können so zu einem gemeinsamen Werterahmen beitragen.

Konsistenz - Leitbilder müssen nicht nur in sich stimmig sein, sondern auch in Übereinstimmung mit den äußeren Gegebenheiten stehen.

Realisierbarkeit - Leitbilder sollen Visionen und Zukunftsziele enthalten. Diese müssen aber realistisch und erreichbar sein und keine idealistischen Wunschvorstellungen enthalten.

Wahrhaftigkeit - der ernstgemeinte Wille zur Veränderung muss deutlich werden und den tatsächlichen Auffassungen der Führung entsprechen und in den Entscheidungen und im Handeln sichtbar werden.

 

Ein Leitbild welches die obigen Anforderungen erfüllt gibt Orientierung und Sicherheit nach innen und außen. Es kann als Vision das gemeinsame Handeln auf der operativen Ebene einer Organisation (im Krankenhaus ist dies das jeweilige multidisziplinäre Team einer Behandlungseinheit) bestimmen und lenken (v. Schaper 1997: 9).

Darüber hinaus kann es durchaus sinnvoll sein Leitbilder für bestimmte Berufsgruppen zu erstellen. So kann z. B. ein Pflegeleitbild dazu beitragen  ... " die Rolle der Pflegekraft im Gesundheitswesen eindeutiger als bisher zu definieren und die Schwerpunkte der nötigen Abgrenzung beziehungsweise Kooperation zu den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen zu verdeutlichen" (Czumanski 1995: 920).


 

2         2         Pflegeleitbilder

 

2.1      2.1      Historische Entwicklung

 

Allgemeine Werthaltungen und Prinzipien der Pflege wurden bereits von Florence Nightingale in ihrem Pflegegelübde formuliert. Übergeordnete Leitbilder der Pflege sind die Grundregeln der Krankenpflege von 1956 oder die ethischen Grundregeln und Berufsziele welche der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) 1992 veröffentlichte. Dieses sind Formulierungen die die Haltung einzelner Angehöriger des Pflegeberufs geprägt haben und noch prägen (von Schaper 1997: 9-10).

Wenn im weiteren Verlauf von Pflegeleitbildern die Rede ist, so ist damit immer das spezifische Leitbild des Pflegedienstes einer bestimmten Einrich-tung gemeint.

Die Reform des Krankenpflegegesetzes von 1985 und der damit verbundene Anspruch auf eine umfassende, sach- und fachkundige, geplante Pflege er-öffnete in Deutschland die Diskussion um den Pflegeprozess.

Ein weit verbreitetes Werk zu diesem Thema war das Buch von Fiechter und Meier. Sie fordern ein gemeinsames Pflegeverständnis für den Pflegedienst, als grundlegende Voraussetzung zur Umsetzung des Pflegeprozesses. Das Buch beginnt mit der Beschreibung der Notwendigkeit eines Leitbilds als Ausgangspunkt und Basis gemeinsamen abgestimmten Handelns. Das Pflegeleitbild hat außerdem eine zentrale Bedeutung bei der Beurteilung der Pflegequalität (Fiechter/Meier 1981: 176-177).

"Als Grundlage für die Beurteilung der Pflegequalität braucht es eine schriftliche Formulierung der dem Spital und/oder der Station entsprech-enden Auffassung von der Pflege. Das heißt ein Leitbild der Pflege" (Fiechter/Meier 1985: 176).

Artikel zum Thema Pflegeleitbild tauchten seither vermehrt in den Fachzeitschriften auf. Im "Leitfaden zur Neuordnung des Pflegedienstes", welcher 1994 in der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit erscheint (unter anderem als Reaktion auf den sogenannten Pflegenotstand) wird, "... zur Sicherstellung einer gleichbleibend hohen Pflegequalität", die Entwicklung eines Pflegeleitbilds gefordert (Hellige 1994: 53).

Spätestens seit Mitte der 90er Jahre zeichnete sich ein fortschrittliches Pflegemanagement durch ein schriftlich formuliertes Pflegeleitbild aus.

So kommt es das in vielen Krankenhäusern zwar ein Pflegeleitbild existiert, eine Unternehmensphilosophie jedoch fehlt. Dies kann dann dazu führen, dass die Aussagen des Pflegeleitbilds für die Pflegedienstmitarbeiter mit der erlebten Wirklichkeit im Unternehmen nicht übereinstimmen und bei anderen Berufsgruppen eher auf Unverständnis stoßen. Die Behandlung der Patienten orientiert sich weiter am medizinischen Modell und neuerdings vermehrt ausschließlich an wirtschaftlichen Interessen (Schäfer 1999: 132).

 

2.2      2.2      Leitbilder als Folge gesetzlicher Vorgaben

 

Gesundheitsstrukturgesetz und Pflegeversicherungsgesetz fordern von Kran-kenhäusern und Pflegeeinrichtungen eine umfassende Qualitätssicherung. Grundlage eines Qualitätsmanagementsystems ist die Entwicklung einer Unternehmensphilosophie welche die Unternehmenspolitik beschreibt. Die darin beschriebenen Visionen und Leitmotive sind die Grundlage zur Evaluation momentaner Handlung und zur Formulierung von strategischen und operationalen Zielen.

Im Sozialgesetzbuch (SGB) V § 135a (2) werden Krankenhäuser zu einricht-ungsinternem Qualitätsmanagement verpflichtet. Im SGB V § 137a (2) werden Kriterien für die indikationsbezogene Notwendigkeit und Qualität der im Rahmen der Krankenhausbehandlung durchgeführten Leistungen gefordert. SGB V §137 (1) zwingt die gesetzlichen Krankenkassen, den Verband der privaten Krankenversicherer, die Bundesärztekammer sowie die Berufsorganisationen der Krankenpflegeberufe, "... Maßnahmen der Qualitätssicherung zu entwickeln, die die Erfordernisse einer sektoren- und be-rufsgruppenübergreifenden Versorgung angemessen berücksichtigen".

Ergebnis dieser gesetzlichen Verpflichtung ist das Konzept "Kooperation für Transparenz und Qualität" (KTQ) welches seit 2001 die Grundlage für ein umfassendes Qualitätsmanagements in den Krankenhäusern darstellt.  Ausgehend von einem Unternehmensleitbild soll ein Behandlungsleitbild und Leitlinien für alle Bereiche entwickelt werden.

Obwohl Unternehmensleitbilder bisher in den Krankenhäusern noch nicht weit verbreitet waren, haben sie aus obigen Gründen zur Zeit Hoch-konjunktur. Meist stehen dabei utilitaristische Motive im Vordergrund. Auf-grund der Komplexität der Krankenhausorganisation sind die Unternehmens-leitbilder häufig allgemein formuliert und eignen sich nur bedingt als sinn-gebende Orientierungshilfe für das konkrete Verhalten und Handeln des einzelnen Mitarbeiters im Betrieb. Deshalb ist es notwendig, spezifische Leitbilder für verschiedene Bereiche und Ebenen einer Einrichtung zu formulieren und durch entsprechende Leitlinien und Handlungskonzepte zu ergänzen. Dies wird unter anderem auch vom MDK in den Prüfkriterien für ambulante Pflegedienste empfohlen und überprüft. Die Wahrscheinlichkeit konkreter Aussagen soll so erhöht werden (MDK NRW: 2000).

Diese Empfehlung kann auch kritisch betrachtet werden. In den meisten Bereichen der Arbeitswelt sind abteilungs- bzw. berufsgruppenspezifische Leitbilder weitgehend unüblich. Das Ziel eines Leitbilds ist die Identifikation (Corporate Identity, Corpoate Behavior) mit dem Unternehmen und nicht mit der jeweiligen Abteilung oder der eigenen Berufsgruppe. Spezielle Bereichs- und berufsgruppenspezifische Leitbilder können die Identifikation mit der Einrichtung verhindern und das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken. Vor allem wenn die einzelnen Leitbilder und Leitlinien nicht mit- und aufeinander abgestimmt sind besteht die Gefahr, dass vorhandene Abgrenzungstendenzen und Sonderwege gefördert werden (Pflegeconsult 2002).

 

 

2.3      2.3      Das Pflegeleitbild soll Sinn stiften

 

In der Organisation Krankenhaus und innerhalb der stationären Betriebseinheiten sind die Pflegekräfte zahlenmäßig die größte Gruppe mit dem intensivsten Patientenkontakt (sowohl vom zeitlichen Umfang als auch von der emotionalen Betroffenheit). Die Zusammensetzung eines Pflegeteams ist keineswegs homogen. Verschiedene Pflegegenerationen, Pflegebio-graphien, kulturelle Hintergründe und damit auch unterschiedliche Pflegeauffassungen konkurrieren miteinander. Die Situation der Pflege stellt sich "... als Konglomerat verschiedener Bruchstücke aus neuen und alten Pflegevorstellungen dar. Patientenorientierung im Kopf - Funktionspflege in der Praxis; Selbständigkeit als Anspruch - Arztorientierung im Handeln; Wunsch nach Beziehung, nach menschlicher Nähe - Vermeidung von Körperkontakt im Umgang mit Patienten; Teamarbeit einerseits - Mobbing andererseits" (Brieskorn-Zinke 1995: 362). Durch die Heterogenität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treffen häufig Wertorientierungen aufeinander die scheinbar nicht zu vereinbaren sind. Traditionelle (weibliche) Sichtweisen von "helfen, dienen und unterordnen" und emanzipatorische Ansätze von "Gleichberechtigung und Verselbstständigung". Wert-konservative Haltungen wie "christlicher Nächstenliebe und Pflichterfüllung" neben neuen Werten wie "Individualisierung und Selbstverwirklichung". - Fragmentierung statt Kontinuität ist die Folge. Das Bild von der Welt, das wir in unserem Kopf haben bestimmt unser Handeln (Brieskorn-Zinke 1995: 362).

Wird aus diesen Fragmenten ein realisierbares Wertverwirklichungsangebot geschaffen, kann ein übergeordneter Sinnzusammenhang entstehen, welcher für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Identifikation mit dem Arbeitsauftrag ermöglicht. Dies kann einer schleichenden Demotivierung entgegenwirken (Brieskorn-Zinke 1995: 362; Bind 1996: 32; Grauvogel 2001: 20-21).

Die Formulierung eines Pflegeleitbilds ist also die Grundvoraussetzung um eine gleichbleibend hohe Pflegqualität durch identische Pflegeauffassungen im Pflegteam zu erreichen.


 

3         3         Inhalte von Pflegeleitbildern

 

3.1      3.1      Empfehlungen zum Inhalt von Pflegeleitbildern

 

Ein schriftlich formuliertes Pflegeleitbild kann die Position der Pflege stärken und sich, durch die dadurch  mögliche Orientierung und Legitimation, positiv auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit auswirken. Es sollte Sinnvoller-weise auf dem Inhalt eines vorhandenen Unternehmensleitbilds aufbauen, dieses integrieren und durch Inhalte einer eigenständigen und profes-sionellen Pflege ergänzen. (Schäfer 1998: 153; Stefan 1999: 511; Grauvogel 2001: 21).

Die Expertengruppe zur Schaffung einer Pflegepersonalregelung, sieht in den von ihr entwickelten Tätigkeitsprofilen einen möglichen Orientierungs-maßstab für die Inhalte eines Pflegeleitbilds gegeben. "Die Experten gehen davon aus, das Krankenpflege beinhaltet, sich dem Patienten in seiner aktu-ellen Situation anzunehmen, sich ihm zuzuwenden und ihn zu umsorgen, ihn auf dem Weg zum Tode zu begleiten" (Hellige 1994: 53).

Im Leitfaden zur Neuordnung des Pflegedienstes werden die Ansprüche an den Inhalt eines Pflegeleitbilds beschrieben. Hier wird nochmals auf die Not-wendigkeit eines expliziten Pflegeleitbilds zur Darstellung der "unver-wechselbaren Inhalte und Aufgaben einer eigenständigen Pflege" hin-gewiesen. Gleichwohl soll das Pflegeleitbild "in Einklang mit den weltanschaulichen und unternehmerischen Zielen des jeweiligen Krankenhauses stehen" (Hellige 1994: 53).

Zu den Inhalten soll die verbindliche Aussage zur geplanten Pflege gehören. Zur Umsetzung soll auf die Anwendung des theoriegeleiteten Pflegeprozess hingewiesen werden. Dies könne allerdings nur in Verbindung mit einem Pflegemodell geleistet werden, welchem dann die notwendigen pflegerischen Handlungsanweisungen entnommen werden könnten. Die Durchführung eines theoriegeleiteten Pflegeprozesses sei auf ein gut funktionierendes Dokumentationssystem angewiesen, dies müsse im Leitbild erwähnt werden. Auch die Bedeutung von theoriegestützten Pflegestandards seien "uner-lässlicher Bestandteil eines Pflegeleitbilds". Zudem soll eine "program-matische" Aussage zur Pflegeorganisation (Zimmerpflege) enthalten sein. Kooperationsbeziehungen innerhalb des Pflegedienstes und zwischen den Berufsgruppen, sowie Aussagen zur Verpflichtung  zur Fortbildung schließen die Forderungen ab (nach Wittneben, Mitglied der Arbeitsgruppe Pflegedienstes 1993, in Hellige 1994: 234).

Die MDK-Prüfungsanleitungen nennen als notwendige Inhalte eines Pflege-leitbilds: Aussagen zu den Bedürfnissen der Patienten (Kunden) und der Mitarbeiter; zum Pflegeverständnis; zur Pflegequalität und zur Gestaltung der Pflege (Pflegeconsult 2002).

Es kann also zusammenfassend gesagt werden, dass folgende Inhalte als Hauptbestandteil eines Pflegeleitbilds gelten:

-         -         Menschenbild

-         -         Verständnis von Pflege

-         -         Durchführung der Pflege

-         -         Kooperation mit anderen Berufsgruppen

-         -         Pflegequalitätssicherung

-         -         Fort- und Weiterbildung

 

3.2      3.2      Inhaltsanalyse unterschiedlicher Pflegeleitbilder

 

Nachfolgend werden die zentralen Inhalte sechs ausgewählter Pflegeleitbilder unterschiedlicher Träger thematisch zusammengefasst. Dabei werden die obigen Inhaltsforderungen näher erläutert und durch zusätzliche Kategorien, welche sich aus den ausgewählten Pflegeleitbildern ergeben, ergänzt.

3.2.1      3.2.1      Menschenbild

3.2.1.1     3.2.1.1     Menschenwürde und Einzigartigkeit der Person

Alle Leitbilder verweisen in unterschiedlicher Deutlichkeit auf die Menschenwürde und den Respekt vor der Einzigartigkeit der Person. Auch das Recht auf Würde im Sterben und im Tod wird in den meisten Leitbilder explizit erwähnt (LB 1, 2, 3, 4, 5, 6). Ein Leitbild betont den Anspruch auf Pflege unabhängig von der Stellung oder Herkunft der Person (LB 4).

Je nach Trägerschaft des Krankenhauses gibt es Unterschiede in der  Formulierung. Kirchlich und anthroposophisch orientierte Leitbilder sehen den Mensch als einzigartiges Geschöpf Gottes, als Einheit aus Leib, Seele und Geist mit einem Anspruch auf christliche Nächstenliebe (LB 1, 2, 3).

3.2.1.2     3.2.1.2     Individualität

Menschliche Individualität zeichnet sich durch unterschiedliche soziale, kulturelle, seelische und geistige Bedürfnisse aus (LB 1, 3). Zwei Leitbilder sprechen von individueller Betroffenheit und dem individuellen Wunsch nach Mitentscheidung und Mitgestaltung (LB 7, 8). Einige erwähnen die Wichtigkeit der sozialen Einbindung und den Einfluss der persönlichen Biografie (LB 2, 3, 6). Ein Leitbild beschreibt das Erleben und die Reaktion auf Krankheit als dynamischen Prozess zwischen Eigenständigkeit und Hilfsbedürftigkeit (LB 4).

3.2.1.3     3.2.1.3     Selbstbestimmung und Eigenverantwortung

Die Suche nach neuen Verwirklichungsmöglichkeiten (LB 2), die Fähigkeit zur Selbsthilfe, Selbstständigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverant-wortlichkeit wird als wesentliche Merkmale des Menschseins genannt (LB 3).

Bei den meisten Pflegeleitbildern überwiegen bei der Beschreibung des Menschenbilds humanistische Motive. Vereinzelt zeigt sich aber auch ein emanzipatorischer Ansatz welcher ausdrücklich die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung jedes Menschen  in den Vordergrund stellt. In keinem Pflegeleitbild wird ausdrücklich auf eine bestimmte Pflegtheorie Bezug genommen, es lassen sich jedoch Einflüsse der Modelle von Roper, Orem, Henderson, Rogers und der Grundregeln der Pflege des ICN erkennen.

 

3.2.2      3.2.2      Verständnis von Pflege

3.2.2.1     3.2.2.1     Am individuellen Bedarf orientierte Aufgabe

Alle Pflegeleitbilder beschreiben Pflege als eine unterstützende, beratende, begleitende und anleitende Aufgabe, welche sich am individuellen Bedarf, den Wünschen und Möglichkeiten des Patienten bzw. am ermittelten Pflegebedarf orientiert (LB 1, 2, 3, 4, 5, 6).

3.2.2.2     3.2.2.2     Mitmenschlichkeit

Kirchliche Leitbilder beschreiben Pflege als einen Akt christlicher Nächsten-liebe, der Zuwendung und Geborgenheit vermittelt (LB 1, 2). Die Pflege-leitbilder eines anthroposophischen und eines privaten Trägers sprechen beim Pflegeverständnis von einer "Kultur der Mitmenschlichkeit" (LB 3, 5). Große Übereinstimmung herrscht auch bei der Aussage, Pflege sei "würdevolle Begleitung in jeder Lebenslage", auch im Sterben und nach dem Tod (LB 1, 3, 5, 6).

3.2.2.3     3.2.2.3     Kompetente Hilfe zur Selbsthilfe

Pflegerische Professionalität wird nicht nur in fachlicher und persönlicher Kompetenz gesehen (LB 1, 2, 3, 6) sondern beruht auch auf persönlicher Erfahrung (LB 3, 5). Pflege leistet Hilfe zur Selbsthilfe (LB 2, 5, 6) und bezieht das soziale Umfeld des Patienten ein (LB 1, 2, 5). Ziel ist die Förderung von subjektivem Wohlbefinden und von Lebensqualität (LB 4, 5, 6).

3.2.2.4     3.2.2.4     Verantwortung

Die Pflege zeichnet sich durch Offenheit, Toleranz und Verständnis für kulturelle und religiöse Bedürfnisse aus (LB 3, 4, 6). Manchmal muss die Pflege, da wo sie an Grenzen stößt, gesellschaftliche Normen hinterfragen und dazu beitragen die Rahmenbedingungen zu verändern (LB 4, 6). In einem Leitbild wird Pflege "... als (eine) verantwortungsvoll durchgeführte Dienstleistung" verstanden. Pflegende sind "... Ansprechpartner und Vermittler zwischen Patienten und allen Berufsgruppen, die am Gesundungsprozess innerhalb und außerhalb der Kliniken beteiligt sind." (LB 6) Hier wird der Pflege eine Schlüsselrolle in der Koordination und Vernetzung der Versorgung zugeschrieben.

 

3.2.3      3.2.3      Durchführung der Pflege

Nur die Hälfte der ausgewählten Pflegeleitbilder machen hier konkrete Aussagen. Es stellt sich die Frage warum gerade dieser Punkt, obwohl empfohlen und gefordert in einigen Leitbildern nicht näher beschrieben wird. Dafür gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Entweder die im Leitfaden zur Neuordnung des Pflegedienstes genannten Punkte  sind bereits so selbst-verständlich in den pflegerischen Alltag integriert, dass sie nicht mehr erwähnt werden müssen - oder weil der Versuch den Pflegeprozesse und eine theoriegeleitete Pflege einzuführen in vielen Krankenhäusern gescheitert ist werden diese Punkte als Ziele nicht aufgenommen. Eine Festschreibung im Pflegeleitbild wäre ein Anspruch, der damit eventuell eher motivations-mindernd wirken würde.

3.2.3.1     3.2.3.1     Systematische, theoriegeleitete Pflege

Der Pflegeprozess wird als "... die methodisch-systematische Arbeitsweise zur Durchführung einer individuellen und patientenorientierten Pflege" beschrieben (LB 2). Pflege verfügt damit "... über eigenständige theoretische Grundlagen und Methoden (LB 6). Pflegestandards, welche auf der Basis aktueller pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt wurden, werden an die jeweilige Patientensituation angepasst (LB 2, 6). Durch Bereichspflege können Pflegemaßnahmen auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. (LB 2, 6). Ein geeignetes Dokumentationssystem bildet dabei die Grundlage der Pflege (LB 2).

3.2.4      3.2.4      Kooperation mit anderen Berufsgruppen

3.2.4.1     3.2.4.1     Partner in einem Team

In den meisten Pflegeleitbildern versteht sich die Pflege als Partner in einem interdisziplinären Team (LB 1, 4, 5, 6). Die Zusammenarbeit beruht auf gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung in einer sozialen Gemeinschaft (LB 1, 3, 6). Voraussetzung sind organisierte Kooperations-, Kommunikations- und Verantwortungsstrukturen (LB 2, 5, 6) und der Abbau von Status- und Machtstrukturen, von Konkurrenzkämpfen und Abteilungsdenken (LB 2, 6). Es geht um die Schaffung effektiver, sachlicher, und professioneller Kooperationsbeziehungen zum Wohle des Patienten (LB 2, 4). Dies kann letztlich nur auf der Ebene der jeweiligen Arbeitsgruppe, durch das Finden und Sichern einer der Aufgabe entsprechenden Form der Zusammenarbeit geleistet werden (LB 3).

3.2.4.2     3.2.4.2     Definierter Verantwortungsraum der Pflege

Starre Regeln und Abgrenzung werden von keinem Leitbild gefordert, sondern es soll auf der Grundlage von allgemein akzeptierten Leitlinien eine gemeinsame Basis gefunden werden. Die Pflege muss für sich einen eigenen Verantwortungsraum definieren, die dafür notwendigen Kompetenzen entwickeln und sichtbar und verlässlich umsetzen. Die damit verbundene Forderung nach mehr Eigenständigkeit und Professionalität der Pflege steht dabei nicht im Widerspruch zu enger Kooperation und Kommunikation mit allen anderen Beteiligten, sondern sie ist die notwendige Voraussetzung zur Schaffung einer patientenorientierten Behandlungsstruktur und -kultur im Sinne eines therapeutischen Teams (Czumanski 1999: 920).

 

3.2.5      3.2.5      Qualitätsmanagement

3.2.5.1     3.2.5.1     Pflegeprozess sichert Pflegequalität

Ziel der Qualitätsentwicklung sei es, eine qualitativ hochwertige Pflege sicherzustellen und weiterzuentwickeln (LB 1, 4). Zwei Leitbilder verweisen hier explizit auf den Pflegeprozess, die Bereichspflege und Pflegestandards, als Voraussetzung zur Sicherung der Pflegequalität (LB 2, 6).

3.2.5.2     3.2.5.2     Pflegstandards

In unterschiedlicher Formulierung wird auf die Entwicklung, Anwendung und Kontrolle von Struktur-, Prozess- und Ergebnisstandards hingewiesen (LB2, 3, 6). Dabei sei die "...kontinuierliche Formulierung und Überprüfung der Ziele und Ergebnisse des Einzelnen und der Gemeinschaft" die Grundlage einer nachhaltigen Qualitätsentwicklung (LB 3). Zwei Leitbilder sprechen hier die Mitarbeit in (... interdisziplinären) Qualitätszirkeln an (LB 2, 6). Oberster Qualitätsmaßstab ist die Patientenzufriedenheit (LB 2).

 

3.2.6      3.2.6      Aussagen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung

3.2.6.1     3.2.6.1     Kompetenz durch berufliche Weiterbildung

Fast alle Leitbilder erwähnen die Notwendigkeit von Fort- und Weiterbildung zur Kompetenzförderung (LB 1, 2, 5, 6). Berufliche Bildung wird als not-wendiger Beitrag zur Qualitätsentwicklung betrachtet (LB 3, 4). Fachliche und persönliche Kompetenz wird als die Voraussetzung zu Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit gesehen (LB 2, 5). Es wird eine "... aktive Teilnahme" an Bildung gefordert (LB 2). Im Sinne von lebenslangem Lernen und der Anleitung und Integration von neuen Mitarbeitern und Auszubildenden  kommt dem Lernort Praxis eine wesentliche Bedeutung zu (LB 1, 3, 5).

3.2.6.2     3.2.6.2     Verantwortung für die Ausbildung

Die Mehrzahl der Leitbilder verweist explizit auf den Ausbildungsauftrag (LB 1, 2, 3, 5). In einem Leitbild wird  speziell die Kooperation zwischen theoretischem und praktischem Lernort und die pädagogische Qualifikation der Beteiligten benannt (LB 2).

Eines der Pflegeleitbilder verweist auf den Forschungs- und Lehrauftrag als Teil des Handelns, der  sich aus der Zugehörigkeit zu einer Universitätsklinik ergibt (LB 4).

3.2.7      3.2.7      Zusammenarbeit innerhalb der Pflege

Die Art wie sich die Zusammenarbeit innerhalb der eigenen Berufsgruppe gestaltet, wird als ein Beitrag zum Ansehen des Berufs und zur Kultur der Einrichtung gesehen (LB 1, 5, 6). Angestrebt wird eine Atmosphäre der Offenheit, der Höflichkeit, der Wertschätzung, der Hilfe und Unterstützung und des gegenseitigen Vertrauens (LB 1, 2, 4). Diese soll erreicht werden durch offene Kommunikation, eine Kultur der Konfliktlösung, die Übernahme von Verantwortung, der Weitergabe von beruflicher Erfahrung (LB 2, 3, 4). Ein Pflegeleitbild erwähnt hier Supervision und Teambesprechungen als förderliche Voraussetzung (LB 2).

 

3.2.8      3.2.8      Führungsverständnis

Zwei Pflegeleitbilder machen Aussagen zum Führungsstil. Führungskräfte sollen sich durch eigene Motivation und Vorbildfunktion auszeichnen (LB 1). Angestrebt wird ein kooperativer Führungsstil, der sich in der gemeinsamen Entscheidungsfindung, einer hierarchie- und berufsgruppenübergreifenden Kommunikation, in Zielvereinbarungen und der Delegation von Handlungs- und Entscheidungskompetenz zeigt (LB 2).

 

3.2.9      3.2.9      Gesundheitsförderung

Bereits 1986 wurde auf einer WHO-Konferenz die sogenannte "Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung" verabschiedet. Diese Erklärung ruft zu einer Umorientierung des Gesundheitswesens auf. Weg von der krankheitsorientierten, kurativen Sicht und hin zu einer Verbesserung der primären Gesundheitsversorgung, zur Partizipation der Betroffenen und zu einer Vernetzung der Versorgungsstrukturen. Unter anderem wurde in diesem Zusammenhang der Begriff des gesundheitsfördernden Krankenhauses geprägt. Es handelt sich hierbei um ein umfassendes Konzept, welches sowohl die Patienten, als auch die Mitarbeiter und das gesellschaftliche Umfeld einbezieht. Das Krankenhaus soll zum Vorreiter und zum Vorbild für Gesundheit werden. 1988 wurde auf der ersten europäischen Pflegekonferenz die Integration der Gesundheitsförderung in ein Pflegeleitbild der Zukunft beschlossen (Brieskorn-Zinke 1995: 359; Czumanski 1999: 918). Aussagen zu diesem Thema müssten also in Pflegeleitbildern zu finden sein.

3.2.9.1     3.2.9.1     Beratung und Anleitung

Einige der ausgewählten Pflegeleitbilder machen Aussagen zu Gesundheits-beratung und Anleitung von Patienten und Angehörige (LB 2, 5, 6). Ein Leitbild erwähnt auch die Gesundheitsberatung und -vorsorge für die Mitarbeiter (LB 2).  Gesundheit wird nicht als Abwesenheit von Krankheit verstanden, sondern als dynamischer Prozess zwischen Eigenständigkeit und Hilfsbedürftigkeit (LB 4). Ziel der Pflege ist die Förderung subjektiven Wohlbefindens und von Lebensqualität (LB 4, 5, 6).

3.2.9.2     3.2.9.2     Verantwortung für die Umwelt

Erwähnt werden ein verantwortlicher und ökologischer Umgang mit Ressourcen und der Auftrag Rahmenbedingungen mitzuverändern und wo notwendig auch Grenzen zu überwinden (LB 4, 5, 6).

 

3.2.9.3     3.2.9.3     Wirtschaftlichkeit

In zwei Leitbildern verpflichtet sich die Pflege zur Wirtschaftlichkeit (LB 2, 5). Dies wird unter anderem auch als ein Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze gesehen (LB 2). Erreicht werden soll Wirtschaftlichkeit durch Prozess-optimierung, bereichsübergreifende Unterstützung, flexible Personaleinsatz-planung und Dienstzeiten, Transparenz von Kosten- und Leistungsdaten (LB 2) und durch den wirtschaftlichen und verantwortlichen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen im Rahmen einer vernünftigen Verbindung von Ökonomie und Ökologie (LB 5).

 

3.3      3.3      Fazit

Die ausgewählten Pflegeleitbilder unterscheiden sich in den zentralen Aussagen nur wenig.  Auch kann, außer bei der Formulierung zum Menschenbild kein wesentlicher Unterschied zwischen kirchlicher, privater und öffentlicher Trägerschaft festgestellt werden.

Alle beschreiben ein humanistisches Menschenbild und betonen die Eigenverantwortung und die Selbstbestimmung des Menschen. Es wird ein Verständnis von Pflege beschrieben, welches professionelle Fachkompetenz durch menschliche Erfahrung ergänzt. Pflege stützt sich dabei nicht nur auf naturwissenschaftliche, sondern vor allem auch auf sozialwissenschaftliche und psychologische Erkenntnisse. Einfühlendes Verstehen  und die Fähigkeit zur Beziehungsgestaltung sind die Grundvoraussetzungen einer patienten-orientierten Pflege.

 

Erhebliche Unterschiede gibt es jedoch im Umfang und in der Tiefe der Formulierung. So beschreiben nur zwei Leitbilder ausdrücklich wie die formulierten Ziele erreicht werden sollen. Die anderen bleiben oberflächlich, unverbindlich und sind eher allgemein gehalten, konkrete Hinweise zur  Umsetzung in der Praxis fehlen. Hier müsste vor Ort nachgefragt werden ob weitergehende Konzepte, wie z.B. eine Pflegekonzeption, vorhanden sind.


 

4         4         Zur Umsetzung von Leitbildern

 

4.1      4.1      Voraussetzungen zur erfolgreichen Umsetzung

4.1.1      4.1.1      Bewusstseinsbildung bei der Erarbeitung

Ob die in einem Pflegeleitbild formulierten Ziele im Pflegealltag erfolgreich in patientenorientiertes Verhalten umgesetzt werden hängt von einigen wesentlichen Faktoren ab. Entscheidend ist, ob die Erarbeitungsphase für möglichst viele Mitarbeiter ein Lernprozess im Sinne einer Bewusstseinsbildung war und ob das Pflegeleitbild in einem dynamischen Prozess immer wieder an neue Erkenntnisse und Erfordernisse angepasst wird. Außerdem müssen die Ziele des Pflegeleitbilds nachvollziehbar, umsetzbar und Teil der Gesamtphilosophie des Krankenhauses sein, welche so die Pflege in die Strategie der Einrichtung einbindet. Sind diese Kriterien nicht erfüllt, bleiben für die Mitarbeiter die Inhalte des Pflegeleitbilds "....un-verstanden, werden gar geringgeschätzt oder als von oben verordnete- Zielformulierung empfunden" (Schäfer 1998: 153). Dann wäre das Pflegeleitbild ein reiner Papiertiger, ohne konkreten Nutzen für den Pflegealltag.

4.1.2      4.1.2      Führungskräfte als Unterstützer und Vorbild

Einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Umsetzung können die Führungs- und Leitungskräfte leisten. Hier ist in erster Linie das persönliche Verhalten und die Vorbildfunktion der Leitungskräfte zu nennen. Außerdem ist es notwendig auf allen hierarchischen Ebenen strategische Ziele festzulegen und daraus abgeleitet operative Handlungsziele zu vereinbaren. In regelmäßigen Rückblenden (Reviews) sollte das bisher Erreichte, mögliche Umsetzungshemmnisse, notwendige Kurskorrekturen und eine sich daraus ergebende eventuelle Leitbildanpassung diskutiert werden. Dabei müssen möglichst viele verantwortliche Mitarbeiter der exekutiven Ebene einbezogen sein. Diese sollten notwendigerweise im Vorfeld des Reviews den Grad der Zielerreichung in ihrem Verantwortungsbereich erheben. Die Umsetzung des Pflegeleitbilds muss ein fortlaufender Prozess im Sinne einer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung sein. Nur so kann der gesetzliche Anspruch nach umfassendem Qualitätsmanagement und der Anspruch der Gesellschaft auf eine professionellen, patientenorientierte Pflegedienstleistung hinreichend erfüllt werden.

4.1.3      4.1.3      Handlungsleitlinien und ergänzende Konzepte

Wenn  das Pflegeleitbild knapp gehalten ist und keine konkreten Aussagen zur Umsetzung macht, kann es notwendig sein dieses durch eine Pflege-konzeption oder Handlungsleitlinien zu ergänzen. Hier können die im Leitbild verankerten Ziele präzisiert werden. Dabei sollte ausdrücklich erläutert werden, wie die Ziele erreicht werden sollen. Dies kann im Sinne einer vorgegebenen Mindestanforderung geschehen, durch welche sich alle Beteiligten zu einer zeitnahen Umsetzung verpflichten. Eine Pflegekonzeption stellt eine wichtige Hilfe zur gezielten Personalentwicklung dar. Führungskräfte können gemeinsam mit den Mitarbeitern anhand der Konzeption ihre Pflegepraxis evaluieren und vorhandene Verbesserungs-potentiale und individuellen Entwicklungsbedarf feststellen. Die Zunahme von Bereichpflegesystemen und Übergabe mit dem Patienten oder das zu-nehmende Interesse an einer Verbesserung der sozial-kommunikativen und  interkulturellen Kompetenzen sind Beispiele einer solchen Entwicklung.


 

5         5         Schlussbemerkungen

 

Der Pflegedienst eines Krankenhauses ist immer geprägt durch unter-schiedliche Auffassungen von Pflege. Mehrere Pflegegenerationen mit ihrer je spezifischen beruflichen Sozialisation, ihren individuellen Erfahrungen mit Patienten, Kollegen und Vorgesetzen und ihren verschiedenen Wert-vorstellungen und Verhaltensmustern, machen es nicht einfach ein gemein-sames Pflegeverständnis zu finden. Die Erstellung eines Pflegeleitbilds stellt den Versuch dar einen größtmöglichen gemeinsamen Nenner zu formulieren. Wenn dies gelingt und eine hohe Identifikation aller Beteiligten mit dem Leit-bild erreicht wird kann die Zusammenarbeit innerhalb der Pflege und mit den anderen beteiligten Berufsgruppen verbessert werden. Die auf diese Weise erreichte nachhaltige Verbesserung der Unternehmenskultur trägt wesentlich zu einer patientenorientierten Behandlungs- und Pflegequalität bei. Dabei sichert eine möglichst große Beteiligung der Mitarbeiter bei der Erstellung; die Abstimmung auf die Trägerphilosophie und die konsequente Unter-stützung durch die Führungskräfte eine erfolgreiche Umsetzung in die Pflegepraxis.

Das Pflegeleitbild darf nicht isoliert und von der restlichen Organisation unbeachtet entwickelt werden. Es muss eingebunden sein in eine vorhandene Gesamtstrategie, bei der bereits auf Trägerebene klare Aussagen zu zentralen Punkten, wie Menschenbild und Behandlungsverständnis gemacht werden. Die Formulierung gemeinsamer Behandlungsleitlinien oder eines Behandlungsleitbilds durch das gesamte therapeutische Team wäre eine Weiterentwicklung, die ein Pflegleitbild ergänzen bzw. ersetzen könnte.

Die Diskussion um gemeinsame Leitlinien ist im Rahmen der Einführung eines Fallpauschallensystem (DRG's) und der damit verbundenen Frage nach der Notwendigkeit "Klinischer Pfade" bereits in Gang gekommen. Hier wird sich zeigen inwieweit es der Pflege gelingt sich zu emanzipieren und den Beweis zu erbringen, dass pflegerische Diagnostik und Intervention einen erfolgreichen Beitrag zu einer umfassenden Krankenbehandlung und Gesundheitsentwicklung leisten kann.

 

Literaturliste

 

 

Bind, Brigitte (1995): Pflegeleitbild für die Station: Eine wichtige Voraus-setzung und eine gruppendynamische Herausforderung. In Österreichische Krankenpflegezeitschrift Heft 48 S. 32-34

 

BRIESKORN-Zinke, Marianne (1995): Die Integration der Gesundheits-förderung ins Pflegeleitbild, Zukunftsherausforderung für die Pflegeleitung; in Pflegezeitschrift 6/95

 

Czumanski, Georg (1999): Was bedeutet zeitgemäßes Pflegeverständnis? In Die Schwester / Der Pfleger 38. Jahrg. 11/99; S. 918-920

 

Ebert, Helmut (2001 Juli): Transferprozesse im Zusammenhang mit der Erarbeitung und Umsetzung von Unternehmensleitbildern; Skizze eines Problemfeldes,

Abrufbar über: http://www.gwdg.de/~swichte/HEbert_Koll01.rtf  [Zugriff: 07.07.02]

 

FIECHTER, Verena / MEIER Martha (1985): Pflegeplanung - eine Anleitung für die Praxis. Basel: Recom Verlag

 

Grauvogel, Silvia (2001): Entwicklung eines Pflegeleitbilds. Wie sich Pflegemodelle integrieren lassen und warum eine Leitbildlüge schadet. In Forum Sozialstation Nr. 112/ Oktober 2001; S. 20-23

 

Hellige, Barbara Hrsg. (1994): Leitfaden zur Neuordnung des Pflege-dienstes. Band 31, Schriftenreihe des BMG, Baden-Baden; Nomos Verlag

 

Hartfiel, Günter (1982): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Kröner Verlag

 

Kohrs, I. Christine (1999): Ein gemeinsames Pflegeleitbild fördert die Identität des Berufsstandes. In Pflegezeitschrift 8/99; S. 581-584

 

MDK; Med. Dienst der Krankenkassen in NRW (2000): MDK-Anleitung zur Prüfung der Qualität nach § 80 SGB XI; Essen

 

MEIER, Jürgen (1994): Das moderne Krankenhaus. Managen statt verwalten. Neuwied; Kriftel; Berlin: Luchterhand Verlag

 

Pflegeconsulting.net (2002): Einführung und Umsetzung eines (Pflege-) Leitbildes; Abrufbar über: http://www.pflegeconsulting.net/Informationen/Pflegeleitbild/pflegeleitbild.html [Zugriff: 17.10.02]

 

Schaper, Angelika von (1997): Es motiviert nach innen und profiliert nach außen; Über den Sinn und Nutzen eines Pflegeleitbildes. In Pflegen ambulant 8. Jahrg. 5/97

 

Schäfer, Dirk (1998): Ein Plädoyer für Pflegeleitbilder. In Die Schwester / Der Pfleger 37. Jahrg. 2/98: S. 153

 

Schäfer, Dirk (1999): Schöne neue Pflegewelt? Einige Gedanken zu Anspruch und Wirklichkeit in der Pflege. In Die Schwester / Der Pfleger 38. Jahrg. 2/99: S. 130-133

 

ScHäfer, Wolfgang (2002): Praxisleitfaden Stationsleitung. Handbuch für die stationäre / ambulante Pflege; Stuttgart Kohlhammer Verlag

 

Stefan, Claudia (1999): Arbeitszufriedenheit und Leistung sind steiger-ungsfähig. Entwicklung eines Pflegeleitbildes. In Die Schwester / Der Pfleger 38. Jahrg. 6/99: S. 510-513

 

Thelen, Astrid (2001): Der rote Faden für das Team. In Pflegen Ambulant 12. Jahrg. 4/01; S. 4749

 

Vierecke, Andreas (1998): Stichwort Leitbild. Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie; [CD-Rom]

 

Verwendete Leitbilder:

 

 

1.                  1.                  Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr

 

 

2.                  2.                  Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier

 

 

3.                  3.                  Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke

 

 

4.                  4.                  Universitätsklinikum Freiburg

 

 

5.                  5.                  Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart

 

 

6.                  6.                  Städtisches Klinikum Dortmund gGmbH

 


 

Anhang Pflegeleitbilder

 

Leitbild 1

 

 

Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe-Rüppurr

 

Menschenbild

Jeder Mensch ist ein einzigartiges Geschöpf Gottes. Wir  achten seine Würde, indem wir ihm respektvoll begegnen und ihn ernst nehmen. Wir berücksichtigen seine sozialen, kulturellen, seelischen und geistlichen Bedürfnisse.

 

Ganzheitlichkeit

Wir sehen den Patienten als Einheit aus Leib, Seele und Geist. Wir gehen auf seine individuelle Situation ein:

Wir vermitteln Zuwendung und Geborgenheit, fördern Heilung und Genesung und berücksichtigen seine Ressourcen. In jeder Lebenslage ist uns eine würdevolle Begleitung wichtig.

 

Qualität und Kompetenz

Wir haben den Anspruch, eine kompetente und qualitativ hochwertige Pflege zu erbringen.

Unser Handeln ist durch Eigenverantwortung gekennzeichnet und trägt wesentlich zum Erfolg der Behandlung bei.

Die Vielseitigkeit unserer beruflichen Tätigkeit ermöglicht, individuelle Fähigkeiten verantwortungsbewusst einzubringen.

Wir nutzen unser Fachwissen, um den Patienten und seine Angehörigen in die Pflege mit einzubeziehen und anzuleiten; Fort- und Weiterbildungen fördern unsere fachliche und persönliche Kompetenz.

 

Teamarbeit

Wir arbeiten als Partner in einem interdisziplinären Team. Unser Miteinander ist durch Offenheit, Höflichkeit und gegenseitige Wertschätzung geprägt. Neue Mitarbeiter und Auszubildende werden ins Team integriert und qualifiziert angeleitet.

Das Führungsverhalten im Pflegebereich ist durch Motivation und Vorbild gekennzeichnet.

Das alles trägt zur persönlichen Atmosphäre des Hauses bei.


 

Leitbild 2

 

 

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder - Trier

 

Pflegeleitbild

 

In Ergänzung und als Handlungsorientierung zu unseren Grundsätzen und Leitlinien von 1994 konnte das vorliegende Pflegeleitbild in Zusammen-wirkung von erfahrenen Krankenschwestern und -pflegern entwickelt werden.

Im Heilungs- und Genesungsprozess des Menschen bildet die Kranken-pflege einen wichtigen Bestandteil , dem wir uns, neben allen anderen Bereichen, auch aufgrund unserer Tradition verpflichtet wissen. Im Sinne unserer Ordenszielsetzung ist und bleibt das christliche Menschenbild Grundlage und Orientierung unseres Handelns.

Die rasche Entwicklung im Gesundheitswesen und der ständig steigende medizinische Fortschritt, pflegewissenschaftliche Erkenntnisse und der pflegerische Wandel macht eine Neuorientierung und ein in die Zukunft gerichtetes Pflegeleitbild notwendig.

Mit diesem Pflegeleitbild wollen wir den Pflegenden Mut machen, den wichtigen Dienst am Menschen weiterzuführen, um auch künftig eine professionelle und gute Pflege sicherzustellen unter Wahrung unserer christlich-ethischen Wertevorstellung.

Allen, die sich mit uns um kranke, alte und behinderte Menschen sorgen, danken wir für ihre Mitarbeit und wünschen ihnen in ihrer Tätigkeit Zufriedenheit und Erfüllung sowie Gottes Segen.

 

Br. Bernward Elsner

Generaloberer, Vorsitzender des Barmherzige Brüder Trier e.V.

 

Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas tun kann. (Dietrich Bonhoeffer)

 

Pflege auf dem Weg

Die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe zu Zeiten Peter Friedhofens waren weitgehend geprägt durch Not und Armut großer Teile der Bevölkerung und sie sind mit heutigen Verhältnissen nicht vergleichbar. In diesem Umfeld stand Peter Friedhofen ganz in der Tradition caritativer Krankenpflege, die für ihn Liebestätigkeit im Sinne christlicher Nächstenliebe war.

Seitdem hat sich Krankenpflege als Profession ständig weiterentwickelt. Neue Aufgaben sind hinzugekommen. Medizintechnik, Fallzahlen, Pflegetage, Kostendruck usw. sind zu beeinflussenden Größen unseres Alltags geworden. Die zukünftige Entwicklung der Medizin und der Krankenpflege und nicht zuletzt der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen werden weiter eine rasante Veränderung in unserem Berufsalltag mit sich bringen.

Unberührt von den verschiedenen Aufgabenfeldern der heutigen Krankenpflege bleiben für uns Pflegende die Grundwerte des christlichen Menschenbildes unverändert und tragend.

Hier kann uns die Nächstenliebe Peter Friedhofens in der Verwirklichung unseres caritativen Auftrags auch heute noch Vorbild sein.

 

“Was die Krankenpflege betrifft, so kann ich es nicht unterlassen, euch etwas Weniges hierüber zu sagen. Da ihr euch diesem Beruf gewidmet habt, so pflegt die Kranken denn recht in Liebe und in der Geduld. Es ist eine harte Aufgabe, das ist wahr.” (Peter Friedhofen)

 

Präambel

In unseren Grundsätzen und Leitlinien haben wir dargelegt, wie wir uns verstehen und wie wir an unsere Aufgaben herangehen wollen, für kranke, behinderte, alte und sterbende Menschen zu sorgen.

Vor diesem Hintergrund ist unser Pflegeleitbild zu sehen, als Ziel- und Handlungsorientierung der Pflegenden.

Es dient als Instrument des Gestaltens, des Lenkens, des Entwickelns und der Qualitätssicherung in der Pflege.

Es soll das Bewusstsein für ganzheitliches, ethisch orientiertes Handeln, für ein gemeinsames Zusammenarbeiten, zum Wohle unserer Patienten und deren Angehörigen, fördern.

Den Leitungskräften dienst es als Grundlage bei Führungs-, Personal- und

Organisationsentwicklungsaufgaben.

In der Aus-, Fort- und Weiterbildung dienst es als grundlegende Orientierung.

 

Es kommt auf jeden an.

 

Pflegeverständnis

 

Christliches Menschenbild

Für uns ist der Mensch ein Geschöpf Gottes und von ihm geliebt. Dadurch hat er seine eigene Würde. Niemand muss sich seine Würde verdienen und niemand verliert sie, weder durch Krankheit noch durch Alter oder Behinderung.

Ebenso ist jeder Mensch einmalig geschaffen. Er ist immer eine Einheit von Körper, Geist und Seele. Es geht immer um den ganzen Menschen, gerade in unserer Pflege.

So wie wir uns betreut wissen wollen, so wollen auch wir die Patienten und deren Angehörige betreuen.

Wenn wir uns gemeinsam so verhalten, dann wird bei uns die Botschaft des christlichen Glaubens spürbar und erfahrbar, unabhängig davon, welches Bild wir im einzelnen von Gott und den Menschen haben.

 

Pflegende als Partner

Der Patient als individuelle Person/Persönlichkeit steht als Partner im Mittelpunkt unseres pflegerischen Handelns.

Pflege ist für uns die Entwicklung eines aktiven Beziehungsprozesses. Pflegerische Professionalität bestimmt das pflegerische Handeln.

Pflege orientiert sich an den Bedürfnissen, dem Willen und den Möglichkeiten des Patienten sowie an dem ermittelten Pflegebedarf.

Unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes und der Berücksichtigung seiner Person unterstützt und fördert Pflege den Patienten durch Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Rolle der Pflegenden

In der Ausübung der professionellen Pflege stehen wir dem Patienten und seinen Angehörigen als Betreuer, Anleiter, Berater und Vermittler zur Seite.

Als solche bringen wir uns konstruktiv und kooperativ ins therapeutische Team ein.

 

Pflegepraxis

Diejenigen, die versäumen zu planen, planen zu scheitern. (NN)

Um unsere Pflegepraxis entsprechend unserem Verständnis von Pflege zu gestalten, bedienen wir uns:

- des Pflegeprozesses

Er ist ein Instrument zur Planung und Durchführung von Pflegehandlungen. Individuell und patientenorientiert zu pflegen heißt, sich bewusst einer entsprechenden methodisch-systematischen Arbeitsweise zu bedienen. Denn jede pflegerische Intervention muss systematisch geplant, begründet, überprüft und dokumentiert sein.

Dies erreichen wir durch:

Umsetzung des Pflegeprozessmodells

Einsatz eines geeigneten Dokumentationssystems

Wenn du nicht weißt, wohin du gehst, dann merkst du nicht einmal, dass du gekommen bist. (Herb Cohen)

- der Pflegestandards

Sie bilden eine Grundlage für die professionelle Pflege der uns anvertrauten Patienten.

Dies erreichen wir durch:

Entwicklung und Aktualisierung von Pflegestandards anhand neuester pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse

Verbindlichen Einsatz von Pflegestandards als Werkzeuge unserer Arbeit

Individuelle Angleichung der Standards an die Pflegesituation des Patienten

- der Bereichspflege

Wir haben uns für die Bereichspflege entschieden, weil hierdurch alle Pflegehandlungen auf die Bedürfnisse der zu betreuenden Patienten abgestimmt werden. Dies ist die Grundlage einer partnerschaftlichen Beziehung zwischen Patient und Pflegekraft und unterstützt positiv den Behandlungsverlauf des Patienten. Gleichzeitig wird das selbständige und eigenverantwortliche Handeln der Pflegenden gefördert.

Dies erreichen wir durch:

Ausreichenden Einsatz qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen

 

Gesundheit & Krankheit & Sterben

Eine Gesellschaft, in der nur der Gesunde etwas gilt, ist krank. (NN)

Wir sehen Gesundheit und Krankheit als unterschiedliche Ausdrucksformen des Lebens.

Unser Ziel ist es, die Fähigkeit des Menschen zu unterstützen, einen Zustand des Wohlbefindens oder der Gesundheit zu erreichen.

Dabei ist uns die gesundheitliche Vorsorge ebenso wichtig wie die Behandlung von

Erkrankungen.

Es ist aber auch unsere Aufgabe, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten und ihnen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.

Dies erreichen wir durch:

Den Anspruch, dass Krankenpflege auch Gesundheitsberatung und –förderung bedeutet

Gesundheitsfördernde und –beratende Angebote für Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Patienten

Inderdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema “würdevolles Sterben” und der

Gestaltung einer menschenwürdigen Sterbekultur

Angehörigen- und Trauerarbeit

 

Wir haben Ehrfurcht vor dem Leben in all seinen Erscheinungsformen

 

Pflegequalität

Entscheidend wird letztlich immer sein, was und wie viel wir zu tun bereit sind. (Dieter Sperl)

Die Pflegequalität in unserem Krankenhaus zu sichern und weiterzuentwickeln ist ein Ziel unseres pflegerischen Handelns. Maßstab hierfür ist der zufriedene Patient.

Dies erreichen wir durch:

Anwendung des Pflegeprozesses

Umsetzung einer ganzheitlichen Pflege in Form der Bereichspflege

Mitwirkung in Qualitätszirkeln

Bedarfsorientierte Aus-, Fort- und Weiterbildung

Entwicklung, Anwendung und Kontrolle von pflegerischen Struktur-, Prozeß- und Ergebnisstandards

 

Wir sind gut – wir wollen aber noch besser werden.

 

Weiterbildung

Bildung bedeutet nicht nur Unterricht – man muss auch den Wunsch zu lernen wecken. (Philip B. Crosby)

Die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege ist für uns wichtig. Dies erfordert von uns allen eine aktive Teilnahme an Bildungsmaßnahmen.

Es geht um die Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen zum Erreichen fachlicher, methodischer, sozialer und ethischer Kompetenz. Darüber hinaus wollen wir in der Aus-, Fort- und Weiterbildung etwas vom Auftrag und dem Geist unserer Einrichtungen vermitteln.

Jungen Menschen eine Ausbildung in den Pflegeberufen zu ermöglichen sehen wir als zentrale Aufgabe.

Dies erreichen wir durch:

Kooperation der theoretischen und praktischen Lernorte

Anwendung curricularer Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzepte für Theorie und Praxis

Pädagogische Qualifizierungsmaßnahmen für alle an der Bildung Beteiligten

Mitwirkung in Bildungskonferenzen

Ein am Bedarf des Gesundheitsmarktes orientiertes Fort- und Weiterbildungsangebot

Qualitätssichernde Maßnahmen in Bezug auf die Aus-, Fort- und Weiterbildung

 

Ausbildung ist für uns mehr als die Vermittlung von Kenntnissen

 

Führung

Das eigene Vorbild ist nicht eine Möglichkeit Menschen zu beeinflussen, sondern die Einzige. (Albert Schweizer)

Der kooperative Führungsstil ist eine wesentliche Voraussetzung für Motivation und

Engagement aller Mitarbeiter in der Pflege.

Kooperative Führung soll in unserem Pflegealltag erlebt werden.

Dies erreichen wir durch:

Führungskräfte, die ihre Leistungsaufgabe verantwortlich wahrnehmen und die sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sind

Hierarchie- und berufsgruppenübergreifende Information und Kommunikation

Einbindung aller Beteiligten in Entscheidungsprozesse

Vereinbarung klarer Zielvorgaben sowie die Überprüfung des Erreichten

Delegation von Aufgaben mit erforderlichen Handlungs- und Entscheidungskompetenzen

 

Wir praktizieren kooperative Führung und Delegation

 

Teamarbeit

Das “ohne mich” zerstört die gemeinschaftliche Gesinnung. (Theodor Heuss)

Eine gute Patientenversorgung erfordert ein motiviertes und kreatives “Zusammenspiel” im therapeutischen Team.

Im Sinne einer Kultur der gegenseitigen Wertschätzung hat jeder die Möglichkeit, seine Fähigkeiten und Ideen einzubringen.

Dies erreichen wir durch:

Förderung der sozialen und der personalen Kompetenz

Förderung von Teamarbeit und Teamentwicklung

Offene Kommunikation und Kooperation untereinander

Eine Kultur der Konfliktlösung

Befindlichkeitsrunden und supervisorische Begleitung

 

Das Team ist erfolgreicher als der Einzelkämpfer

 

Kooperation

Das einzige, was die Menschheit zu retten vermag, ist Zusammenarbeit, und der Weg zur Zusammenarbeit nimmt im Herzen der einzelnen seinen Anfang. (Bertrand Russel)

Die komplexen Aufgaben- und Problemstellungen im Krankenhaus erfordern neue Formen der Zusammenarbeit und Interaktion.

Status-, Macht- und Konkurrenzkämpfe sowie Abteilungsdenken schaden der Allgemeinheit und schwächen alle beteiligten Gruppen.

Wir als Pflegende setzen uns für die Schaffung effektiver, sachlicher und professioneller Kooperationsbeziehungen ein.

Das Krankenhaus mit Zukunft muss ein Haus sein, in dem alle Berufsgruppen und Beteiligten zum Wohle der Patienten zusammenarbeiten!

Dies erreichen wir durch:

Förderung eines Bewusstseins für eine gemeinsame Kooperationsver-antwortung

Verbesserung der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen

Patientenorientiertes Denken und Handeln im therapeutischen Team

Umsetzung effektiver und klar organisierter Kooperations-, Kommunikations- und Verantwortungsstrukturen

 

Je besser der Umgang untereinander, je besser und entspannter das Klima, um so mehr macht die Arbeit allen Beteiligten Spaß und um so wohler fühlen sich die Patienten ...

 

Wirtschaftlichkeit

Nicht durch ständiges Sparen bringt man es zu etwas, sondern eher dadurch, dass man darauf bedacht ist, nichts zu vergeuden. (Loeopoldo Arosemena)

Wirtschaftliche Leistungserbringung ist eine entscheidende Grundlage für die zukünftige Sicherung einer optimalen Patientenversorgung.

Wir wissen um die begrenzten Ressourcen in allen Bereichen des Sozial- und Gesundheitswesens. Darum stellt sich die Pflege, als eine der größten Berufsgruppen im Gesundheitsbereich, der Herausforderung der Wirtschaftlichkeit.

Zur Erfüllung unserer gesellschaftlichen Aufgabe und zur Sicherung unserer Einrichtungen und damit unserer Arbeitsplätze muss Pflege qualitativ gut und wirtschaftlich sein.

Dies erreichen wir durch:

Regelmäßiges Prüfen und Optimieren von organisatorischen Abläufen

Bereitschaft, sich gegenseitig und auch bereichsübergreifend zu unterstützen

Flexible Personaleinsatzplanung und Dienstzeitgestaltung

Kosten- und Leistungstransparenz

 

Wir sind gut und wirtschaftlich


 

Leitbild 3

 

 

Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke

 

Wir verstehen Pflege als Kultur der Mitmenschlichkeit, die auf die Unterstützung des individuellen Menschen bei seiner Suche nach neuen Verwirklichungsmöglichkeiten zielt. Als Pflegende sind wir je nach Bedürfnis des Patienten versorgend, vermittelnd, beratend und begleitend tätig. Dazu gehört auch der würdevolle Umgang mit sterbenden und verstorbenen Menschen.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, bedarf es der Ausübung einer fachlich fundierten Pflege, die sich in ständiger Entwicklung befindet. Eine Erweiterung erfährt die Pflege, wenn sich der einzelne Erkenntnisinhalte der Anthroposophie erarbeitet. Das Motiv der christlichen Nächstenliebe kann hier wieder aufleben; nicht als Akt der dienenden Selbstaufgabe, sondern der zur Profession erhobenen Beziehung. Selbstverständlich ist uns Weltoffenheit im Umgang mit allen Konfessionen und Weltanschauungen.

Je mehr wir uns innerhalb unserer Arbeitsgruppe für einen Patienten verantwortlich fühlen, desto umfassender kann dieser in all seinen Belangen von Leib, Seele und Geist wahrgenommen und betreut werden. Verantwortung in diesem Sinne meint, Einsicht in die Bedeutung, Notwendigkeit und Folgen der eigenen Handlung zu haben, nachhaltig zu handeln und Selbsterkenntnis zu entwickeln.

Erst wenn wir aus einer freien inneren Entscheidung heraus Verantwortung übernehmen, wird Beständigkeit und Entwicklung des Einzelnen und der Krankenpflege möglich. Das führt zum Akzeptieren der auf Erfahrung begründeten Kompetenz und dazu, dem Lernenden durch Weitergabe eigener Erfahrung beizustehen.

Wir wollen in der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen eine soziale Gemeinschaft entstehen lassen. Dies setzt bewußtes Wahrnehmen und gegenseitiges Anerkennen aller Mitarbeiter voraus. Jede Arbeitsgruppe muß entsprechend ihrer Aufgabe ihre eigene Form der Zusammenarbeit finden und sicher gestalten.

Durch die kontinuierliche Formulierung und Überprüfung der Ziele und Ergebnisse des Einzelnen und der Gemeinschaft möchten wir zur Qualitätsentwicklung beitragen. Dies wird unterstützt durch geeignete Arbeitsbedingungen und berufliche Bildungsarbeit.

Nachwort
Das Leitbild der Pflege im Gemeinschaftskrankenhaus ist Ausdruck unserer Unternehmenskultur. Es orientiert sich an den Leitlinien des Gesamtunternehmens und steht dazu nicht in Konkurrenz.
Das Leitbild vermittelt Visionen, Werte, Grundsätze und Qualitätsmaßstäbe des Pflegebereichs, und hilft dem Pflegenden, ihren Weg zu finden. Dabei enthält es Anhaltspunkte für das tägliche Tun und kann Richtlinie für Entscheidungen sein.
Konkrete Ziele findet man im Leitbild nicht, denn es soll richtungsweisend wie ein Leitstern sein und den Mitarbeitern Gestaltungsfreiheit ermöglichen. Diese Gestaltungsfreiheit findet sich z.B. in der therapeutischen Begegnung mit dem Patienten oder in der differenzierten Zielformulierung einer Abteilung.
Die kundenorientierte Ablauforganisation im Gemeinschaftskrankenhaus kann an ihm gemessen werden. Dies bezieht sich sowohl auf Patienten- als auch auf Mitarbeiterbelange.

Stetig angewandt kann es den Geist, das Erscheinungsbild und die Wirksamkeit unseres Krankenhauses nachhaltig beeinflussen.

Herdecke, im Dezember 1998 

 


 

Leitbild 4

 

 

Universitätsklinikum Freiburg

 

wie wir unsere Pflege verstehen - ein Pflegeleitbild

 

Im Mittelpunkt der Mensch

 

Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt.

 

Menschliches Leben ist ständige Bewegung und Veränderung. Deshalb handeln wir mit Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein.

 

Jeder Mensch steht in einem dynamischen Prozess zwischen Eigenständigkeit und Hilfsbedürftigkeit. Wir bemühen uns um Verständnis der individuellen Betroffenheit, gleich welcher Herkunft und Stellung. Die Wahrung der Persönlichkeit und Würde jedes Einzelnen ist unser oberstes Ziel.

 

 

Pflege als Wissenschaft und Kunst

 

Unsere Zugehörigkeit zum Klinikum beinhaltet Forschung und Lehre als Teil unseres Handelns.

 

Fort- und Weiterbildung sind für unsere Arbeit unverzichtbar. Um eine zeitgemäße Pflege anzubieten, ist es unser Ziel, die Pflegequalität zu sichern und weiter zu entwickeln.

 

Wir pflegen jeden nach seinen Möglichkeiten und fördern ihn in seinem subjektiven Wohlbefinden; dies bedeutet, dass wir gesellschaftliche Normen hinterfragen, um den Zielen und Wertvorstellungen des Einzelnen gerecht zu werden.

 

 

Mit uns selber gut umgehen

 

Um dies alles leisten zu können, wollen wir auch mit uns selber gut umgehen

 

Wir verstehen uns in der Pflege als Team, helfen und unterstützen uns gegenseitig.

 

Wir arbeiten interdiziplinär und leisten unseren Beitrag für eine gute Zusammenarbeit und vertrauensvolle Atmosphäre.

 


 

Leitbild 5

 

 

Robert- Bosch-Krankenhaus Stuttgart

 

 

„Jeder soll mitwirken zum Wohle des Ganzen“

Robert Bosch

 

Die Menschen, die uns berühren: Sie sind mehr als Patienten, Kunden oder Kollegen. Sie sind Menschen wie du und ich.

Darum ist die Pflege am RBK individuell, fachkundig, flexibel – und vor allem menschlich.

 

Wir begreifen den Menschen in seiner Gesamtheit. Jeder der sich uns anvertraut, verdient Respekt vor seinen individuellen Bedürfnissen. Schließlich ist es unser Ziel, dass Patienten wieder ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zurück erlangen. Im Sinne des Pflegeprozessmodells ermutigen, beraten und schulen wir auch die Angehörigen. Gemeinsam tun wir alles, damit der Kranke wieder gesund wird und der chronisch Kranke seine Lebensqualität erhält. Und wir begleiten den Sterbenden, damit er bis zuletzt seine Würde behält.

 

Wir gestalten unsere berufliche Zusammenarbeit im Team zum Wohle der Patienten. Herausforderungen gemeinsam anpacken, das ist unsere Stärke. Das gilt für uns und alle, die mit uns zusammenarbeiten: Kollegen, Ärzte und Therapeuten. Denn wir wissen, dass wir im Team mehr bewegen können. Wir sprechen miteinander – und wir hören einander zu. Wir geben unsere Erfahrungen weiter und sorgen dafür, dass alle Kollegen gut eingearbeitet und Auszubildende qualifiziert angeleitet werden.

 

Wir möchten vorangehen, indem wir nach neuen Erkenntnissen streben: Wir tun dies in unserer Arbeit und für uns selbst. Wir lernen von Kollegen und Mentoren, von Menschen die mit uns arbeiten und die uns begleiten. Das vermittelt neue Einblicke und manchmal auch eine neue Sicht der Dinge. Darum sind wir fähig, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.

 

Der wirtschaftliche und verantwortliche Umgang mit Ressourcen nützt uns allen. Für die vernünftige Verbindung von Ökonomie und Ökologie setzen wir uns mit Nachdruck ein, denn erhalten heißt nicht nur bewahren, sondern auch bekommen.

 

Wir orientieren uns an den Inhalten dieses Leitbildes. Es stärkt unsere Gemeinsamkeiten und ist richtungsweisend für unseren Weg und unsere Entwicklung. Jeder von uns verpflichtet sich, im Alltag vorzuleben, was hier als Grundlage und Maßstab unseres Handelns formuliert ist.


 

Leitbild 6

 

 

Klinikum Dortmund gGmbH

 

Unser Bild des Menschen

 

Wir sehen den Menschen als Individuum mit ihm eigener Biographie und unverwechselbarem Charakter. Wir definieren ihn nicht über seine Krankheit. Wir begegnen dem kranken Menschen mit pflegerischer Kompetenz und Professionalität

Wir achten seine Persönlichkeit und sein soziokulturelles Umfeld.

Wir berücksichtigen seine Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ängste.

Verbunden mit Freundlichkeit, Höflichkeit, Toleranz und Fairness ist dies die Grundlage für einen offenen und verständnisvollen Umgang miteinander.

 

Unser Pflegeverständnis

 

Die Würde des Menschen zu achten und zu wahren hat für uns oberste Priorität, Dies bedeutet für uns:

Wir berücksichtigen die Individualität jedes Patienten, indem wir seine Ressourcen nutzen und fördern, damit er im Rahmen seiner Möglichkeiten seine Selbständigkeit wieder erlangt.

Wir tragen zur Gesundheitsberatung und Förderung des Gesundungsprozesses bei. Kommunikation, Beratung und psychische Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen sehen wir als wichtige pflegerische Aufgabe an, Die Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen ist für uns eine wichtige Aufgabe, der wir uns stellen. Wir sichern die Qualität der pflegerischen Arbeit durch die Entwicklung und Umsetzung von Pflegestandards, Pflegeplanung und Bereichspflege. Wir erweitern unsere pflegerische Kompetenz durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildung.

 

Wir legen Wert auf einen partnerschaftlichen und rücksichtsvollen Umgang mit allen Patienten und ihren Angehörigen. Die körperliche und seelische Zufriedenheit der Patienten steht im Vordergrund unserer Pflege.

Bisweilen geraten wir bei der Umsetzung unserer Ziele an Grenzen. Unser Bemühen ist jedoch darauf ausgerichtet, Rahmenbedingungen mitzuverändern, um diese Grenzen zu überwinden.

 

Unser Selbstverständnis

 

Pflege versteht sich als verantwortungsvoll durchgeführte Dienstleistung. Sie verfügt über eigenständige theoretische Grundlagen und Methoden. Als professionell Pflegende sind wir Ansprechpartner und Vermittler zwischen Patienten und allen Berufsgruppen, die am Gesundungsprozess innerhalb und außerhalb der Kliniken beteiligt sind. Wir sehen uns als gleichwertige Mitglieder innerhalb des multiprofessionellen Teams. Im Rahmen unseres Handlungsfeldes setzen wir uns ein für eine Verbesserung der hausinternen Kommunikation und Kooperation mit anderen Berufsgruppen. Als Angestellte der Städtischen Kliniken Dortmund achten wir auf ein persönliches Verhalten, das dem Ansehen des Pflegeberufes dient und das Unternehmen positiv repräsentiert.

Unser Tun erfordert Anerkennung, Mitbestimmung und Beachtung jeder Einzelperson durch das Unternehmen.

 

Ausblick

 

Wir wissen, dass ein Pflegeleitbild kein starres Produkt ist, sondern immer wieder der Überarbeitung und Überprüfung bedarf und sich an den jeweils neuen Bedingungen und Veränderungen zu orientieren hat. Es ist damit ein weiter zu entwickelndes Dokument.